Archiv für April 2008

Inspiriert im Fernsehen

April 21, 2008

Es gibt Momente, da sehne ich mich geradezu danach, zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben zurückgeholt zu werden. Das sind Momente, in denen ich nicht so recht weiß, wo mir der Kopf steht, und ich mich mit Millionen Dingen gleichzeitig ablenke. Der Fernseher läuft, ich bin im Internet, am besten lese ich nebenher noch Zeitung und versuche den Videorecorder zu programmieren, damit ich auch vom Nachtprogramm nichts verpasse. Und ab und zu in solchen Momenten brauche ich dann einen Bruch, ohne dass ich es über mich bringen könnte, den Fernseher einfach auszuschalten. Das sind die Momente, in denen ich umschalte.

Es gibt ein paar Rettungspunkte, zu denen ich dann ab und zu schalte. Sender, in denen Menschen davon erzählen, wie wichtig für sie Gott geworden ist und wie sie Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden können, und die einem Mut machen wollen, sich auf denselben Weg zu begeben. In den USA gibt es sie zuhauf. Digitales Satellitenfernsehen hat sie auch uns gebracht, die Sender, die uns Gott ins Wohnzimmer bringen wollen, auch auf deutsch und gar nicht einmal immer mit eindeutigen finanziellen Interessen, sondern durchaus auch mit glaubwürdiger Berufung. Die Namen der englischsprachigen kenne ich nicht einmal im Ansatz, auf deutsch tummeln sich inzwischen so unterschiedliche Sender wie K-TV, Bibel TV, jung und neu auch [tru:] young television, manchmal auch EWTN Europe und wahrscheinlich noch einige mehr, die sich irgendwo in der 800-Sender langen Liste verstecken.

Irgendwie haben sie eine seltsame Faszination auf mich, diese Sender. Einerseits fremd und so ganz entfernt von meiner bodenständig ruhig vernünftigen Art religiös zu leben zu versuchen. Andererseits faszinierend, weil einem dort Menschen zu begegnen scheinen, die es eben geschafft haben, ihrem Leben diese religiöse Wurzel zu geben. In deren Leben Gott da ist. Die halt mal beten, wenn es irgendwie nicht läuft im Leben und dann läuft es wieder, vielleicht mit einer Prüfung oder noch einer weiteren, aber überstehbar, gesichert, froh.

Auch wenn ich mir das ungern eingestehen will – eine Sehnsucht in mir spricht das durchaus an, was da passiert. Meine Sehnsucht nach einem guten Leben. Einem Leben, in dem der Grund klar ist. Der Boden fest. Das Gewissen rein. Der nächste Schritt offenbar.

Es hat nur so erschreckend wenig von meinem Leben. In dem fast keiner etwas mit Gott zu tun haben will. In dem ich keine Lust auf die Arbeit habe, aber mich wahnsinnig gerne vor Telenovelas oder Sitcoms hocke. In dem ich abends nicht weiß, was ich morgen alles tun werde. In dem ich zu spät ins Bett gehe und morgens unausgeschlafen bin. In dem ich in der S-Bahn niemanden neben mir sitzen haben will. Kein Lobpreis, kein Worship. Höchstens die Sonntagsmesse und das Gebet am Abend.

Faszinierend aber und immer wieder ein ganz eigenartiges Gefühl, fast erhebend, sich vorzustellen, dass es vielleicht wirklich Menschen gibt, die so aus dem Alltag heraustreten können, so in ihrer Welt leben können, dass sie einfach glücklich auf das Wesentliche schauen. Menschen, die ihre Sehnsucht nach dem guten Leben ganz ernst genommen haben. Und keine Sehnsucht nach dem Angenehmen und Un-anständigen mehr zu haben scheinen.

Faszinierend. Aber auch irgendwie unheimlich.

Eine Kathedrale

April 17, 2008

Würden wir in einer anderen Zeit leben und hätte ich mehr Geld, dies wäre kein Blog, sondern eine Kathedrale. Vielleicht auch eine kleine Feldkirche oder ein Wegkreuz, wir wollen ja nicht übertreiben. Ich habe es jedenfalls versprochen, gelobt geradezu, als die Not groß war. Und was ich verspreche, das will ich auch halten. Und da sind wir schon mitten in einem Kapitel aus meinem Leben mit Gott.